Sie wollen gleich einen Screenshot einer Rechnung, eines Dashboards oder einer Fehlermeldung verschicken, und ein Teil davon soll nicht mitreisen: der Name eines Kunden, eine E-Mail-Adresse, eine Kontonummer, ein API-Token. Fast jedes Screenshot-Werkzeug hat dafür einen Weichzeichner oder eine Verpixelung. Der Schritt, den man überspringt, ist die Frage, ob das, was man gerade getan hat, umkehrbar ist.
Mit Blick auf die DSGVO ist das keine Stilfrage: Ein verschickter Screenshot mit lesbaren Kundendaten ist eine Datenweitergabe.
Die zwei Fehler, die tatsächlich passieren
1. Die Abdeckung, die nie Teil des Bildes wird
Sie ziehen einen schwarzen Kasten über die Kontonummer. Auf dem Bildschirm ist sie weg. Aber in den meisten Editoren ist dieser Kasten ein Objekt, das über den Originalpixeln schwebt, und die Pixel darunter sind unverändert. Exportieren Sie ein flaches PNG, ist alles in Ordnung. Verschicken Sie die bearbeitbare Projektdatei, fügen Sie das Bild in ein Dokument ein, das Ebenen behält, oder geben Sie das programmeigene Speicherformat weiter, kann der Empfänger den Kasten einfach beiseiteschieben.
Es ist derselbe Fehler, der regelmäßig für Schlagzeilen über „geschwärzte“ PDFs sorgt, bei denen sich der Text unter den schwarzen Balken markieren und kopieren lässt.
2. Die Verpixelung, die sich zurücklesen lässt
Weniger bekannt und unangenehmer. Normale Verpixelung nimmt jeden Pixelblock und ersetzt ihn durch seine Durchschnittsfarbe. Beim Mitteln geht zwar Information verloren, der Vorgang ist aber deterministisch, und genau das ist die Schwachstelle.
Wer ungefähr weiß, in welcher Schrift und Größe der Text stand, kann eine Kandidatenzeichenkette rendern, sie mit derselben Blockgröße verpixeln und vergleichen. Das wiederholt man für alle plausiblen Zeichenketten, und am Ende steht der Originaltext da. Das ist nicht theoretisch: Es gibt Open-Source-Werkzeuge, die genau das tun, und Sicherheitsforscher haben verpixelten Text aus echten Screenshots mit hoher Trefferquote wiederhergestellt.
Am leichtesten lassen sich kurze, strukturierte Werte zurückholen, weil es so wenige Möglichkeiten gibt: ein sechsstelliger Code, ein Datum, die letzten vier Ziffern einer Karte, ein Kennzeichen.
Die praktische Regel: Text nie verpixeln. Verpixelung ist in Ordnung für ein Gesicht, ein Foto oder einen allgemeinen „hier gibt es nichts zu sehen“-Fleck. Für alles, was aus Zeichen besteht: deckende Füllung.
Die Methode, die hält
- Den Bildschirm aufnehmen. Denken Sie daran, dass viele Werkzeuge zusätzlich ein ungeschwärztes Original in einem Verlaufs- oder Autosave-Ordner ablegen. Wenn Sie die verschickte Kopie schwärzen, bleibt das Original auf Ihrer Festplatte trotzdem unverändert.
- Jeden sensiblen Bereich deckend füllen. Keine halbtransparente Form, kein leichter Weichzeichner, kein Mosaik. Für Text: deckend.
- Ein flaches Bild exportieren, PNG oder JPEG. Erst dieser Schritt macht aus „eine Form über dem Text“ ein „da ist kein Text“.
- Die exportierte Datei öffnen und prüfen. In jeden geschwärzten Bereich hineinzoomen. Dann den Rest des Bildes ansehen, denn das Leck sitzt meist dort, wo man nicht hingeschaut hat.
Wo ein Screenshot unbeabsichtigt etwas verrät: Browser-Tabs mit Kundennamen im Titel, eine offen gebliebene Autovervollständigung, eine Benachrichtigung in der Ecke, die Taskleiste, die Titelleiste des Fensters, ein zweiter Monitor in einer Vollbildaufnahme, und der Dateiname, unter dem Sie speichern.
So geht es in Screen Slinger
Hinweis: Screen Slinger ist unser eigenes Produkt. Bitte lesen Sie diesen Abschnitt mit diesem Wissen.
Ziehen Sie das Werkzeug zum Unkenntlichmachen über einen Bereich und wählen Sie einen von drei Stilen: deckende Füllung, sanfte Unschärfe oder Pixel-Mosaik. Im exportierten oder kopierten Bild (PNG, JPEG oder Zwischenablage) ersetzen alle drei die Pixel selbst, statt darübergelegt zu werden; die exportierte Datei enthält also kein verstecktes Original darunter. Im Programm selbst bleibt ein verborgener Bereich ein bearbeitbares Objekt, und die programmeigene Aufnahmedatei im Verlaufsordner (.scs) behält den ungeschwärzten Original-Screenshot. Teilen Sie deshalb das exportierte Bild, nie die .scs-Datei.
Eine Einschränkung, die für uns genauso gilt wie für alle: Der Pixel-Stil mittelt Blöcke wie jede andere Umsetzung und ist deshalb für die oben beschriebene Rekonstruktion anfällig. Für Text den deckenden Stil verwenden. Er füllt den Bereich mit einer einzigen Farbe, und in einer einzigen Farbe steckt nichts mehr, was man rekonstruieren könnte.
Zwei Dinge sparen Handarbeit und verringern das Risiko, eine Stelle zu übersehen. Ein Klick findet E-Mail-Adressen, Telefonnummern und lange Ziffernfolgen in der Aufnahme (mit der in Windows eingebauten Texterkennung) und deckt sie in einem Schritt mit deckender Füllung ab (ein Strg+Z macht das rückgängig); danach prüfen Sie die Abdeckungen und verschieben oder löschen, was nicht passt. Das ist eine Hilfe, keine Garantie: Die letzte Prüfung der exportierten Datei bleibt bei Ihnen. Und für Bildschirme, die Sie täglich aufnehmen, merken sich Schwärzungsvorlagen die Bereiche und wenden sie auf jede neue Aufnahme desselben Bildschirms an.
Alles läuft lokal auf Ihrem Rechner: kein Konto, kein Upload, keine Telemetrie. Ihre Screenshots verlassen den Computer nur, wenn Sie sie selbst verschicken.
Wenn Sie Screen Slinger nicht verwenden
Die Methode oben hängt von keinem Werkzeug ab, und die meisten können sie:
- Windows Snipping Tool: In neueren Versionen gibt es eine eingebaute Schwärzen-Funktion. Das Ergebnis als neues PNG speichern, nicht das Original überschreiben.
- Paint: Ein Rechteck mit deckender Füllung (Volltonfarbe) über den Bereich zeichnen und als PNG speichern. Nicht den Farbeimer nehmen: Er füllt nur zusammenhängende Pixel einer Farbe, also einen Buchstaben oder die Lücken dazwischen, und der Text bleibt lesbar.
- Jeder Editor mit Ebenen: Form zeichnen, dann vor dem Teilen auf eine Ebene reduzieren oder „exportieren als“. Genau darum geht es.
Egal womit: Der letzte Schritt ändert sich nie. Öffnen Sie die Datei, die Sie verschicken wollen, und sehen Sie sie sich an. Nicht das Editorfenster. Die Datei.
Geschrieben vom Team hinter Screen Slinger, einem Screenshot- und Beschriftungs-Tool für Windows. Die Ratschläge oben gelten für jedes Werkzeug, auch für die unserer Mitbewerber. Siehe auch: Scrollenden Screenshot unter Windows erstellen. English version.